Am besten im Westen
Für viele Angler bietet der Westen Hitras die größte Vielfalt. Und
wirklich: Der Ramsøyfjord, der Hitra von Smøla trennt, hat es in der
Tat in sich. Riesige Köhler und gewaltige Lengs sind dabei die
begehrteste Beute – doch das ist längst noch nicht alles. Ich habe
Enrico Wyrwa, Top-Guide in der Anlage Kvenvaer Sjöhusferie, 2004 und
2005 besucht.

Es gibt so Plätze, die schwirren schon fast legendenhaft durch die
Norwegen-Angelszene, von denen wird in angellosen Monaten daheim
geträumt, denen scheinen bereits magische Momente inne zu wohnen. Ein
solcher Platz ist ohne Zweifel Ørneklakken – das berühmte Plateau im
nördlichen Ausgangsbereich des Ramsøyfjords, noch hinter Frøya.
Seelachse von 30 Pfund sind hier keine Seltenheit und Dorsche gehen
auch gern in der XXL-Version an die Haken der Angler, die sich hierher
rausgetraut haben. Und wie so vieles Gutes, hat auch dieses wirklich
starke Angelgebiet einen Haken, aber dieses Mal für uns Angler. Denn
das Revier ist dem offenen Nordatlantik ausgesetzt, hoher Schwell und
rasch aufkommender Starkwind sind dort eher die Regel als die Ausnahme.
Aber wenn ihr hinaus könnt, dann dürft ihr mit einer fantastischen
Angelei rechnen – Kapitale immer im Blick.

Zielfisch Köhler
Die meisten Angler, die den Nordwesten Hitras im Sommer besuchen, haben
es auf die kampfstarken Köhler-Kracher jenseits der 20 Pfund abgesehen.
Und davon gibt’s dort nicht wenige. Mit Glück ziehen sie nicht weit vor
den schützenden Schären über die Unterwasserberge und schlagen sich die
Wämste mit Kleinköhlern voll, die dort massenhaft auftreten. Besonders
nachts, wenn es von Juni bis Ende Juli nicht mehr dunkel wird, sind
nicht weit von der Anlage entfernt schon sehr gute Fänge auch von
großen Seelachsen drin. Am nicht so schweren Gerät, Leichtpilkruten bis
150 Gramm Wurfgewicht, bieten sie oberspannende Drills und aufregende
Landungen. Fische der 3- bis 8-Kilo-Klasse sind eigentlich immer drin
und bieten ebenfalls schon Kämpfe vom Feinsten.
Doch nicht nur große Seelachse sind hier zu Hause, auch kapitale Lengs
von 70 Pfund, Seeteufel über 30 Pfund und Dorsche über 40 Pfund können
an die Haken gehen. Lumbs, vor allem viele kleine, gelten unter
Naturköderanglern schon als Plage und wer sich einmal eine Wanne voller
schöner Rotbarsche von bis über sechs (!) Pfund zusammenangeln möchte,
ist hier an der richtigen Adresse.
Enrico Wyrwa hat mir seine Top 11 an Fangplätzen verraten, die dem
Norwegenangler eine breite Vielfalt an Angelmethoden und Fischarten
bietet (die Ziffern vor den Stellenbeschreibungen findet ihr in den
Seekartenausschnitten wieder).


Enricos Top 11 rund um Kvenvaer
1 Klassischer Platz für Schlechtwettertage mit Wind: die Südkante der
Insel Helgebostad. Vor allem bei den im Sommer häufiger mal
auftretenden Südwestwinden ein geschütztes bis zu 60 Meter tiefes
Revier, das im Frühjahr gute Dorsche, im Sommer sehr viel Pollack,
Makrele und Schellfisch bringt. Hering befindet sich fast ganzjährig in
diesem Gebiet und Plattfische werden auf dem überwiegenden Sandboden
ebenfalls sehr gut gefangen.
2 Zehn Bootsminuten von der Sjøhusferie-Anlage in südwestlicher
Richtung entfernt befindet sich der Hernesstraumen, ein starker
Gezeitenstrom, der ganzjährig Dorsch, Schellfisch, im Sommer auch
Köhler und Heilbutt (bis 20 Pfund) und im Mai/Juni Steinbeißer bringt.
Der grobe Sandboden lockt so manche anglerische Überraschung in den
Straumen. Für Anfänger eine lohnende, überschaubare Stelle.
3 Hyttskallen: ein markantes Gebiet mit zwei Plateaus zwischen Hitra
und Smøla. Das nördliche Plateau steigt auf 35 Meter, das südliche auf
60 Meter an. Die 140 Meter tiefe Rinne dazwischen bringt im Sommer
immer wieder große Seelachse. Die Ost- und Westkante steht bei
Rotbarschfischern hoch im Kurs. Nicht immer sind die Roten da – aber
wenn, dann gleich in Massen (ab 150 Meter abwärts). GPS-Pos.: N63°28,91
E8°11,97
4 Hier befindet sich die am schnellsten erreichbare Westausfahrt von
Kvenvær aus. Sandboden mit Muscheln lockt Heilbutts an. Die meisten der
angelandeten maximal 80 Pfund schweren Tischplatten stammen von dort.
An den Kanten stehen schöne Pollacks. GPS-Pos.: N63°32,92 E8°16,65
5 Der Punkt schlechthin für die Sjøhusferie-Angler, der berühmte „44er“
(44 Meter Wassertiefe). Rundherum mit tiefem Wasser. Die Südkante ist
top auf Rotbarsch, im Sommer knallen die Großseelachse in die
Kleinköhlerschwärme auf den Bergspitzen. Auch die östliche Rinne ist
ein Top-Platz für Rotbarsch. Vorsichtig hier: bizarrer,
hängerträchtiger Grund! GPS-Pos.: N63°36,37 E8°17,30
6 Für Spezialisten: eine senkrecht abfallende Kante von 140 auf 220
Meter. Sehr guter Rotbarschplatz, im Sommer auch top für große Köhler.
Achtung: Hier stehen immer viele Seeteufelnetze! N63°38,13 E8°15,79
7 Guter Platz für Lumb, Schellfisch und Dorsch. Wie ein Vulkantrichter
bis 103 Meter Tiefe. Dort im tiefen Loch befindet sich Sand, die
Abhänge sind sehr felsig (Hänger!). Im sandigen Loch bestehen
exzellente Chancen auf Seeteufel.
N63°30,89 E8°11,35
8 Typischer Rotbarsch- und Lengplatz, auch für sehr große. Schnell erreichbar. N63°33,60 E8°14,27
9 Allround-Fangplatz in der Nähe Kvenværs. Eine Plateaukette mit viel
Fisch. Sehr gutes Pollack-Revier. Aufgrund der flachen Spitzen (bis
vier Meter) auch zum Pollackangeln mit der Fliege sehr gut geeignet.
N63°34,29 E8°17,32
10 Schwierig zu beangelnder Platz vor der Insel Sæbuøya mit einer
steilen Kante, die von null bis auf 280 Meter abfällt. Auf der
100-Meter-Linie herrscht aufgrund von Strömungen immer ein sehr starker
Strom. Hier stehen oft die größten Rotbarsche. Auf 271 Meter liegt ein
russisches Wrack, das von riesigen Lumbs bevölkert wird. N63°29,59
E8°13,90
11 Ein markanter Platz, mitten im Ramsøyfjord (Minimum sechs Meter).
Witzigerweise scheint die Felsspitze Dorsch und Köhler nicht so
anzulocken, aber im Nordwest-Bereich lässt sich perfekt auf
Geröllhalden und Fels in nicht so großen Wassertiefen bis zu 140 Metern
mit Naturköder angeln. Ein guter Platz, um sich mit dem
Naturköderangeln vertrauter zu machen. N63°27,38 E8°12,50

Wer richtig dicke Lengs fangen möchte, ist bei Enrico an der richtigen
Adresse. Links einer seiner Gäste, der in diesem Frühjahr, als ich auch
gerade in der Anlage weilte, ordentlich zugeschlagen hatte. Thomas
Becker aus Pinneberg mit seiner Leng-Dublette (!!!) - die langen Dinger
brachten 44 und 50 Pfund auf die Waage. Da nehme ich mich mit meinem
37-Pfünder, den ich einen Tag später auf die Planken der “Herz aus
Gold” legte, ja geradezu bescheiden aus (und dann nur einen Fisch am
System…)

Fische & Zeiten
Großköhler:
Von Ende Mai bis Oktober Hauptsaison; auf den außen liegenden Plateaus
auch ganzjährig. Kleinere und mittlere Fische bis 15 Pfund werden auch
gut unter Land gefangen. Enrico und viele andere angeln mittlerweile
nur noch mit Pilkern solo auf große Köhler. Beifänger wie Gummi-Makks
setzen sie nicht mehr ein (Hänger an den steilen Kanten).
Pilkergewichte: 100 bis 150 Gramm; bevorzugt dunklere Farben. Die
Drillinge tauscht Enrico meist vor dem ersten Wurf aus, weil die
Originalwirbel oft im Drill aufbiegen.

Pollack
Ab Juni in den Schären überall an den Kanten. Der schwerste
Schärenpollack brachte immerhin 18 Pfund auf die Waage. In der kalten
Jahreszeit lassen sich große Pollacks in größeren Mengen auf den weiter
draußen liegenden Plateaus fangen.
Dorsch
Im Winter sehr gut. Beste Zeit: April, Mai. Dann große Schwärme mit
stattlichen Fischen. Im Sommer zum Teil auf den Plateaus unter den
Seelachsschwärmen.
Rotbarsch
Beste Monate sind April/Mai und nochmal September/Oktober. Riesige
Schwärme mit Einzelfischen von über sechs Pfund. Ab 130 Meter
Wassertiefe. Meist halten sich die Barsche über Grund auf – bis zu 50
Meter. Mit 10 bis 15 Meter langen Suchvorfächern und vielen leicht
beköderten Einzelhaken geht’s auf den leckeren Fisch.
Steinbeißer
Nordwest-Hitra ist kein ausgewiesenes Steinbeißer-Gebiet, aber trotzdem
werden immer wieder schöne Fische von April bis Juni nicht tiefer als
30 Meter gefangen.

Heilbutts werden vereinzelt erbeutet, aber nur von wenigen gezielt beangelt. Makrelen tauchen Ende Juli auch in guten Größen auf und verschwinden im Oktober wieder. Hering befindet
sich ganzjährig vor Ort, lässt sich aber nicht immer gut beangeln.
Enrico stellt für seine Gäste Heringsnetze, um sie mit Ködern zu
versorgen. Lumbs tauchen im Rudel auf und könnten etwas größer ausfallen. Plattfische gibt’s tiefer, so um die 50 Meter. Seehechte kommen ab und zu, Schellfisch dagegen ganzjährig vor. Als Beifang gehen noch Rochen, Haie und der überaus beliebte Speisefisch Seeteufel an die Haken. Große Wittlinge werden zufällig beim Rotbarschangeln gefangen, Aale ziehen dagegen direkt vor der Steganlage ab dem Sommer – da sind echt gute Fänge drin.

Da es nachts in den Sommermonaten nicht richtig dunkel wird, beginnen
viele Fische ebenfalls nachts zu fressen. Dann lohnen sich nächtliche
Angelausflüge am meisten und der Tag ist zum Schlafen da… Dass in
Kvenvaer der Spaß nicht zu kurz kommt, dafür sorgen auch schon die
Gäste selbst, wie das folgende Foto eindeutig zeigt. Für dieses Foto
habe ich gern mal meinen Leng verliehen… Mann ist ja schließlich
Gentleman, oder?

Dieser Bericht wurde freundlicherweise von Rainer Korn zur Verfügung
gestellt. Besucht doch mal seine Seite. Hier gibt es jede Menge an
weiteren Infos zum Thema Meeresangeln in Norwegen und Co. http://www.rainerkorn.de